Sonntag, 2. März 2014

Tau Palamas, Syzygy. Reflections on the Monastery Of The Seven Rays, Hadean Press 2013, Festband, SU, 200 S., ISBN 978-1-907881-33-6, 39,88 €.


Mit Interesse an alltäglich gelebter Mystik ist es nicht einfach, bei Syzygy von Tau Palamas nicht immer wieder ins Schwärmen zu geraten und auf Superlative zurückzugreifen. Syzygien, kosmische Paarungen, sind der gnostischen Spekulation zentral und in dieser Tradition bewegt sich der Autor.
Tau Palamas ist Adept des OTOA-LCN (dem voudongnostischen OTO), Bischof der Koptisch-Gnostischen Kirche, Freimaurer und Martinist. Syzygy, die nun vorliegende erste Monographie aus seiner Feder, ist in einem Monat geschrieben.
Das Werk bietet in erster Linie Innenansichten der Arbeit der Monastery Of The Seven Rays (M7R), einem voudongnostischen System, das Patriarch Michael Bertiaux ins Leben gebracht hat. In diesem einzigartigen mystisch-magischen System wird jeder Student dazu angehalten, sein eigenes magisches Universum zu erschaffen und der göttlichen Kraft, die auf diesem Weg in die Welt gebracht wird, einen kreativen Ausdruck zu verleihen. Aus dem Kreis der Adepten entstanden in den letzten Jahren und entstehen noch immer eine Vielzahl künstlerischer Äußerungen, ob bildnerisch oder in Form inspirierter Wortmeldungen, wie der vorliegende Band. Dieser bietet einen hochspannend zu lesenden Zugang zum Verständnis der gnostischen Konzepte und Prozesse, wie sie der gnostischen Tradition eigen sind. Aber nicht nur das: Neben dem Fokus, der auf der Arbeit der M7R liegt, spannt Tau Palamas den Bogen weiter und bietet durchgehend Anknüpfungspunkte an traditionelle monastische Lehren und Alltagspraktiken.
Das Werk ist in zwei Teile gegliedert, entsprechend dem benediktinischen Grundsatz Ora et labora. Im ersten Teil werden die Grundprinzipien in Vorstellung und Praxis des modernen Gyrovagi, des Mönches auf der Wanderschaft, der sich nicht in Klostermauern einschließt, beschrieben. Nicht leicht zugängliche Begriffe, wie beispielsweise Lectio Divina, Obsculta oder Conversatio Morum, werden aus der gelebten Praxis in einfachen Worten und tiefen Betrachtungen nachvollziehbar und anwendbar. Der zweite Teil, in dem Tau Palamas verschiedene Basisrituale für den täglichen Gebrauch beschreibt, sind anregende Einladung, sich selbst auf den Weg zu machen. Die Seiten des zweiten Teils können getrost als Handbuch des Wandermönches gnostischer Strömung gelesen und genutzt werden.
Bemerkenswert ist die Klarheit und Offenheit der Darstellung des mystischen Ansatzes, das selbstredend so nur gelingen kann, wenn die Beschreibung aus der Praxis, einer individuellen  geistigen Durchdringung schöpft. Und dann benötigt es da noch Talent, um einen inspirierten Text zu kreieren, der so gut funktioniert, dass er Lesern und Suchern als Gerüst dienen kann, um das sich oder nach denen sich die eigenen Erfahrungen selbst dann organisieren lassen, wenn man in einer anderen spirituellen Praxis unterwegs ist. Dieser hohe, fast unmögliche Anspruch ist in Syzygy von Tau Palamas erfüllt: Es ist mehr als ein Buch, dass hier erhältlich ist.
Der Leser begleitet den Autor entlang dessen eigener spiritueller Reise und lernt dabei anschaulich über das Wesen strukturierter und wahrhaftiger individueller Hinwendung als Kern jeder mystischen Erfahrung. Dabei funktioniert die Darstellung des M7R-Systems in seiner Struktur beispielhaft, wie eine Matrix, die ohne Probleme auf andere mystische bzw. magische Systeme übertragen werden kann. Egal, ob man sich mit Bertiauxs Monastery-Kurs beschäftigt, mit christlicher Mystik oder einer wie auch immer gearteten spirituellen Routine: Die Grundprinzipien sind übertragbar und anwendbar, was neben den Einsichten in die Gnosis der M7R den Wert des Buches ausmacht.
Und wäre der beeindruckende Text nicht schon genug Stoff zum Klassiker, sind die Seiten durchsetzt von Astral Icons, inspirierten farbigen Kreidezeichnungen von Tau Palamas, die als Tore zum zugeordneten Kapitel/Text funktionieren.
In der Tiefe sehr persönlich und trotzdem aufs Höchste klar, unterhaltsam und zur Praxis einladend, kann nur zu wünschen bleiben, dass dieses Buch weite Verbreitung findet. Auch über den Kreis derer hinaus, die an der Monastery Of The Seven Rays interessiert sind.