Sonntag, 10. Februar 2013

Stejnar, Emil, Franz Bardon, Ibera Verlag: Wien 2010, Festband, 288 S., ISBN 978-3-85052-252-6, 25,00 €.

 
Der sechste Band der Reihe Magie und Mystik im 3. Jahrtausend von Emil Stejnar beschäftigt sich mit Franz Bardon, lt. dem Autoren der bedeutendste Eingeweihte überhaupt.
So nimmt Biographisches einen großen Teil des Buches ein, sehr detailliert illustriert durch den Briefwechsel zwischen Emil Stejnar und Maria Bardonova, der Witwe Bardons. Nahezu hundert Briefe wechselten hin und her, in der Bardonova die Erinnerungen an ihren Mann niederschrieb. Dessen Arbeit als Heilpraktiker, als Bühnenzauberer, seine Logenzugehörigkeiten und Gefängnisaufenthalte, all das ist von Stejnar über die Jahre erfragt und zusammmengetragen worden.
Diese Nachforschungen beantworten auch Fragen über Bardons vieldiskutiertes Verhältnis zu Wilhelm Quintscher, zu Franz Sättler oder aber zu Karl Weinfurter. Bardon, der mit fast allen Okkultisten seiner Zeit in Kontakt stand, hatte gerade zu Quintscher ein besonderes, über eine Existenz hinausreichendes Verhältnis, so zu lesen. Ansonsten scheint Bardon Swami Sivananda Sarasvati, mit dem er Schriftverkehr unterhielt, als seinen höchsten Lehrer angesehen zu haben.
Neben der Korrespondenz mit Bardons Witwe bezog Stejnar sein Informationen von Bardons Tochter, Marie Spickova, von Wilhelm Quintschers Sohn Ernst und von Maria Pravica, die eine enge Mitarbeiterin und Übersetzerin Bardons war. Letztere besuchte Stejnar in Graz und ließ sich die Geschichte um Frabato und Otti Votavova bestätigen, ihrerseits eine Stenotypistin und glühende Verehrerin Bardons. Ihr diktierte Bardon seine Bücher und aus ihrer Feder stammt Frabato, ein Roman, der gemeinhin Bardon zugeschrieben wird. Bardon soll nicht einmal das Manuskript, von dem er noch Kenntnis hatte, gemocht haben.
Auch andere spannende Fragen, die um Bardon herumgeistern, werden beantwortet; Fragen zur FOGC, zum Baphomet, zur Freimaurerei, zur Kundalini oder aber zur Alchemie.
Bardons Lehre wird anhand verschiedener Briefe Stejnars und andernorts veröffentlichter Beiträge (Gnostika, Archiv Hermetischer Texte) erörtert und dann die Brücke zu seinem eigenen Anliegen, der Magie und Mysik des 3. Jahrtausends, geschlagen:
Wie Stejnar nicht müde wird zu betonen, hat Bardon ja wohl geäußert, dass die Veröffentlichung seiner Bücher 600 Jahre zu früh erfolgte, die Menschheit für dieses Wissen und diese Techniken also noch nicht annähernd bereit ist. Um dieses Zeitfenster zu schließen, schrieb Stejnar seine Bücher: Der Weg, den Bardon zum wahren Adepten beschreibt, soll präzisiert und für den derzeit lebenden Menschen genauer ausgeformt und damit handhabbar gemacht werden. Obwohl Stejnar da wenig optimistisch ist: Innerhalb eines Lebens sei es nicht möglich, zum Adepten zu werden, ja selbst die Geistesschulung nach Bardon wird nicht regelmäßig durchhalten können, wer sich nicht schon im letzten Leben intensiv damit auseinander gesetzt hat. Auch eine Beschäftigung mit magischen Praktiken ist nicht weiterführend auf dem Weg zum Adepten: Während mithilfe der Elemente und ihrer Eigenschaften Wesensteile ausgeglichen und harmonisiert werden können, ist die einzig verlässliche Technik die Bewusstwerdung, dass man ein Geistwesen in einer physischen Hülle ist (Akasha). Aus der Betrachtung des „IchBin“ resultiert die einzig mögliche Auformung eines festen geistigen Wesens, das unabhängig von Elementaren und Elementalen existieren kann. Mit dieser einfachen, über das gesamte Leben vollzogenen Praxis, zu mehr rät der Autor eigentlich nicht, kann einzig die Freiheit erlangt werden.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Neuauflage dieses Buches ist das exemplarische Eingehen des Autors auf Fragen zur hermetischen Geistesschulung. Anhand eines über Jahre geführten Briefverkehrs mit Praktikern, die sich immer wieder um Rat nachsuchend an Stejnar wandten, ist es dem Autor leicht möglich, die verschiedensten Probleme und Gefahren auf dem Weg trefflich zu beleuchten. Meist handelt es sich bei den Schreibenden um Menschen, die die Bardonsche Schule abzukürzen suchten oder die sich in magischen Praktiken verfangen haben; in der Mehrzahl mit negativen Folgen für die geistige Gesundheit.
Bei alldem Abraten und negativen Fazit dieses letzten Teils des Buches: Warum dann überhaupt die Beschäftigung mit Bardon, Stejnar, Magie oder Mystik? Die Antwort des Autors: Zur Vervollkommnung von Geist und Seele, aus keinem anderen Grund, will man nicht in die Irre gehen. Und dafür liefert er dann das verlässliche Minimalschulungsprogramm.